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:: konzert-tagebuch ::

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7.11.1998

bad nauheim, juz alte feuerwache

ohne 'elektrosushi'!

nun ja - das war schon alles mal wieder sehr strange. zwei tage vor dem konzert bekommen wir einen anruf vom veranstalter, der uns mitteilt, daß der gitarrist von elektrosushi am morgen der konzert-agentur unmißverständlich klarmachte, er werde "nie wieder mit dieser band auftreten"! diese streitigkeiten im hause elektrosushi (die immerhin richtig groß hätten rauskommen können, wenn sie sich ein bißchen zusammengerissen hätten) machten uns kurzfristig zum headliner des abends... am freitag vor dem konzert nutzten wir den gemeinsamen aufenthalt in hessen, um mit einer ganzen wohnung voller freunde in marburg eine "auf-den-herbst-kann-man-sich-wenigstens-verlassen"-party zu feiern, bei der es zu früher morgenstunde auch zu ausgedehnten jam-sessions diverser anwesender musiker kam - sehr geil! verständlicherweise verzögerte sich dadurch etwas das geplante aufstehen am nächsten tag, aber gegen halb fünf trafen wir wohlgemut im juz bad nauheim ein. zu unserer überraschung fanden wir erst mal keinen verantwortlichen und auch keine anlage vor. aber die bühne machte einen sehr guten eindruck. telefonisch versicherte uns der techniker des abends, er würde rechtzeitig erscheinen, damit wir allenfalls eine viertel stunde verzögert beginnen könnten. wir haben heute ein gewaltiges handicap: unser misch-gott und chief-tech marc ist verhindert, so daß wir uns ausnahmsweise mal auf andere mischkünste verlassen werden. dafür haben wir einen gastmusiker im schlepptau: johannes wird für uns akustik-gitarre in "er spricht:" spielen. außerdem begleiten uns wieder unser treuer gefährte mr.stefan, diesmal mit zwei video-kameras und sascha, ein weiterer kameramann, um unseren auftritt mitzuschneiden. aber soweit sind wir noch nicht...

etwas später als erwartet trifft endlich die p.a. ein - und hinterließ gleich einen mächtigen eindruck! beim aufbauen stellte der zuständige techniker fest, daß er sämtliche mikrokabel vergessen hatte. also fuhr er noch mal nach hause - während sein kollege, der eigentlich diverse boxentests machen sollte, lieber nach der zunge... naja, lassen wir das. jedenfalls richteten sich langsam unsere augenbrauen auf. nach eintreffen der kabel und den restlichen aufbauten stellte sich erst mal heraus, daß die bestellten d.i.-boxen zum teil defekt waren. na klasse... inzwischen hätte auf der bühne schon längst was passieren sollen. wir freuten uns derweil alle schon: das scheint so ein richtiger glückstag zu werden.

die absage von "elektrosushi" minderte den zuschauerstrom sichtlich... am vorabend hieß es noch von der organisation, man werde deshalb keinen eintritt nehmen. ist uns auch recht. tja, während wir auf die fertigstellung der technik zu warten hatten, kam dann aber doch jemand mit einer kasse und erbat fünf mark eintritt. und die wollte er auch von unserem gefolge haben - dem kamerateam, unserem gastmusiker, freundinnen und freunden, die sehr beim auf- und abräumen helfen. und da war nicht zu reden; wir bekämen schließlich "viel gage"! uns war das wirklich sehr peinlich unseren freunden gegenüber, und deshalb haben wir als band auch geschlossen eintritt gezahlt. da hat der mensch komisch geschaut... kommt auch nicht oft vor, daß man bei seinem eigenen auftritt eintritt zahlt.

nebenbei rannte die zeit davon. dementsprechend gab es keine mehr für den soundcheck - und endlich konnte das bad nauheimer trio "delayed conclusion" auf die bühne, die sich als die "rammgruppe popstein" vorstellte, um dann eine halbe stunde lang akustik-musik zu machen. als sie anfingen, hatten wir bereits eine verspätung von sage und schreibe zwei vollen stunden! unsere vorfreude kippte unaufhörlich, während der misch-kollege sich wieder hauptsächlich (und bei fragen genervt) seiner freundin widmete. alex war schon völlig am kochen...

die umbaupause überbrückten wir - im gedenken an den ersten gig in seesen - wieder einmal mit "waiting for cousteau" von jarre. aber irgendwann ging es tatsächlich auf die bühne, und wir dachten nochmal kollektiv: "jetzt wird alles wieder gut!" denn wir waren eigentlich in guter verfassung. ein fließender übergang von "cousteau" in "herbstwasser" machte uns erst mal glücklich. mit dem geplanten fließenden übergang in "das blaue zimmer." hatten wir dann allerdings schon wieder probleme - oder besser: die technik machte erneut probleme! und das sollte nicht zum letzten mal so sein... wie viele stoßgebete wir ausriefen, marc möge wie durch ein wunder erscheinen und uns retten... das offensichtliche desinteresse der technik am geschehen handelte ihr im laufe des abends schließlich die interne bezeichnung "vollpfosten" ein - die bühne klang grausam (im publikum ging es glücklicherweise), johannes war später viel zu laut, wahlweise liefen mikros oder instrumente nicht, und als dann aufgrund der defekten d.i.'s bei "november" schließlich ein keyboard nur noch schrott von sich gab, war die krönung des ganzen der hinweis, daß das an stefan's keys liegen müsse (die komischerweise zuhause wieder süß schnurrten)! es ist schon beinahe verwunderlich, aber schlecht war das ganze trotzdem nicht - es hat nur einfach überhaupt keinen spaß gemacht, vielmehr entluden sich auf der bühne gewaltige aggressionen, die insbesondere "in seinem namen" (alex brüllte, daß ihm fast der kopf platzte), "ex." (...für die leute an der bar...), allen voran aber mit sicherheit "lautlossagen" zu reinsten orkanen anschwellen ließen (genauere angaben zu den stücken, die wir an dem abend spielten, auf der set-list). das emotionale potential des abends wurde uns allerdings erst bei betrachten der videos deutlich - man könnte fast angst bekommen. den gästen muß es jedenfalls gefallen haben, denn wir haben einige "ex."-emplare unseres debuts verkaufen können und wurden hinterher von vielen für diesen auftritt beglückwünscht. das tat nicht nur gut, sondern war nach dem ganzen fiasko auch sehr nötig...