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herzwuesten
:: gedichte :: infos ::

zur blütezeit in herzwüsten

ein floristisches handbuch zur steingärtnerei

m.
(6. mai 1999)

agenda. :: kalte krieger :: teetraumöl. · das blaue zimmer. · farben. · ichundich. — ii. sechs akte. · mala. · unschriftlicht. · hasselter. :: glashalme :: rotkehlchen · daß ich schon da bin, · cascadis · wir · [..diamant..] · diese stelle... :: sanftes kiesellauschen :: von lauten blumen · fliehkraft · lautlossagen (l'esclave de l'amour) · die frage · für immer. :: frühling im opal :: mißverständnis · 'nevermind.' ('not at all!' — 'thank you.') · wovor hast du angst? · von dir · ...als nicht geliebt zu haben... :: stirnbeete :: in der stille · ex. · in seinem namen · wasser :: herzkalk & herbstwasser :: so gut wie neu. · wie du bist · morgentaube · darum! scHmERZ. · pokrzywa · frauenkirche :: sargsteinschläge :: die macht der geschichte · er spricht: · der letzte versuch · hölle, hölle · zeit-teiler (teil einst) · zeit-teiler (teil zeit) · frohsinnlos · wüste :: klagegestein :: schmutzengel · blumendiebin · blattaria · schütze (23.11.-21.12.) · elend. · lachnummer · kulturfabrik · mantis idiota :: brachland ebnen.

allen
[..engeln..]
aller zeiten.

ihr fehlt uns...

agenda.

für so viele bleibt das leben ein langer, karger flur, den sie entlangschleichen, ab und zu durch ein fenster sehnen und irgendwann ausgestorben umherfallen, ohne angekommen zu sein (wo auch immer).

aber nicht mit mir. ich will die türen aufstoßen, die sie unbeachtet lassen, mit licht fluten, in den gärten tanzen, neue zimmer einsehen und nach den schlüsseln suchen für die räume, die den meisten verschlossen bleiben.

ein schlüssel selbst will ich sein und offen und lebendig und überall in mir selbst zuhaus. eine hand, die grüßt und begreift, die helfen kann und briefe schreibt — ein ungerahmtes farbenbild, das wachsen kann und dies auch tut!

ja, ich möchte vieles sein.

jedes warten hat ein ende.

m.

:: kalte krieger ::

teetraumöl.

ich erinner mich
	nicht mehr
		genau
	an alles
»hab' mut zum schönen,«
	denk ich —
»sei ganz du selbst... bitte.«

und verlassen
	wirkt die stätte
»mit dem kopf zuerst,
	den rest
	hol'n wir später nach...«
	denk ich —
»sei ganz allein... bitte.«

in gedanken
	ganz
		woanders
	»den rest hol'n wir später
		nach
		haus...«

das blaue zimmer.

wir stehln euch jede nacht
den mond in unsern himmel
und hoffen, daß es niemand merkt.

wir färben alle träume
mit dem blau aus unsern augen
— mai!

    schenkst du mir nur ein wenig deiner zeit
    wird mein herz eine taube sein
    die findet sicher von überall zu dir
    zu dir
    zurück.

wenn du mich verstehst
kann jedes meiner worte
in deiner warmen brust
als rosenknospe sein

    gib ihnen liebe und licht
    denn von alleine blühn sie nicht
    bin nie allein, weil es dich gibt
    'gehab dich wohl — ich hab dich lieb.'

farben.

es regnet immer noch,
	was heißt: der sommer ging
	kalter wind fährt durch dein haar...

	farben
	strahlen an mein herz
	und ich hab noch mehr
		für dich — mein schatz.
	ich werde friedlich schlummern,
	träumen,
	du singst ein lied für mich.
	ich würde sagen, was ich brauch...

das laub fällt immer noch,
	was heißt: der winter naht...
	
ich will dir sagen, wo ich bin,
		wo du mich finden kannst...

ich falle immer noch,
	was heißt: fang mich auf
	im morgenduft aus deiner haut...

	farben
	strahln aus deinem herz
	schenk mir noch mehr
		wunder ein.
	ich will dich zärtlich wecken
	deshalb:
	sing ich ein lied für dich.
	sag was...
	bitte sprich wieder mit mir...

kommentar: sehr frei nach »colours« von 'my tea dream'.

ichundich.

ii. sechs akte.

erster akt.

oh was würd' ich dafür geben...
    für nur einen augenblick
    zu spüren, daß ich etwas geben kann.
das kohlenherz in mir ganz klamm
    hat sich bald oft genug verbrannt
    — könnt' es doch lieben wär es diamant.

zweiter akt.

ich liege jede nacht
selbstverlassen wach
um mich allein zu leben
bin ich viel zu schwach...

dritter akt.

einmal flog wie eine taube
    noch mein herz — ist heute taub,
    es kriecht im sand und sehnt zum himmel auf,
hat all sein wasser längst verweint
    und spielt besoffen weiter wüste
    mit sich selbst und träumt von augenblau.

vierter akt.

doch da der blaue spiegel schwand
durch den es sich in dir erkannt,
bleicht unser heim sich aus,
ich blicke auf die graue wand.

fünfter akt.

'es ist ein weinen in der welt'
da mir die wahrheit nicht gefällt
drei tage ohne dich 
und meine rose welkt...

sechster akt.

diesmal schweig' ich nicht —
ich warte auf dich...
auf mich... auf uns... in uns...
in eins... als eins... als ichundich!

mala.

zerstresst und zeitlos
ist sie nicht hier
und zerwartet
meine wünsche,
	meine hoffnung, meinen traum.
	den träumte ich schon lang nicht mehr:
	ihr herz nur einmal singen hören,
	und ihre seele ganz tief spüren.
 
so muß ich alles treiben lassen
und bete tag- und nächteweise,
daß sie mich findet
und ich endlich wieder heimat fühl.
	eine andacht soll sie für mich halten
	jetzt — wo immer sie auch sei.
	denn sinnlos ist die kunst die hier ersteht,
	wenn niemand da, dem sie gebührt
 
meine kunst
war niemals nur für mich.
herzerschlagen
fortgetrieben stets,
	vermissend und leid ertragend,
	ewig ein 'du' erbittend,
	eine poetin,
	die die sterne kennt.
 
weiß nicht, was wird,
und muß es dulden,
hab keine angst,
laß dich geschehen.
	tempel, möcht' ich, daß wir sind,
	und uns im ritual verzeihn,
	die klänge lieben
	und ein wesen sind.
 
weiß nicht, was du mir bist,
bist du nicht hier
und zerwartest
meine wünsche.
	zieh mit mir nach hause ein.
	kehr mit mir in uns zurück.
	ich will dir niemals lügner sein.	(...)

unschriftlicht.

du schweigst mich aus
du stellst dich taub
du weichst mir aus
du schweigst mich laut
	aus dir heraus
dein lautes schweigen
schneidet schreiend
in mein fleisch
ich laß dich gleich
ich laß dich gleich...
ich will weg!
ich will weg!
ich will raus!
es muß raus
und schreien
bis jede pore blutet
und jede wunde platzt
weil deine seele sich in meiner nächtens ausgezogen hat
seitdem lieg' ich sanft neben mir
und schnappe hier & dort nach glanz
— wie sie sich liebten —
— wie sie sich hatten!
	als sie sich gaben
	was sie waren —
		solang du bliebst
	doch nun.
es wird schlimmer jede nacht.
kein stern funkelt,
kein kind lacht
der mond nimmt ab
dein bild verblaßt
unsterblich lebt es sich aus
	heraus
		aus mir.

hasselter.

im bett liegt noch
ein rest von gestern
und dreht sich auf die andere seite

hier ist rest & ende
von da und dort und dir
und oben drauf
ein gruß
an's nichts

	— ich komme heim,
	   mein kind
ich begrüße dich mit schlägen
		in dein herz
und reiße deine augen auf, geschwind!
	— komm bitte heim,
	   mein kind
ich trag dir trauer nach
		und gier & tod.

:: glashalme ::

rotkehlchen

eine träne roten goldes
gleißt hervor im übersein
ihr sehen jadeglasumgrünt
und licht sproßt aus,
	hervor aus heller haut —
	ein wunderbrunnen.

meine kehle wird wohl trocken sein...

daß ich schon da bin,

	bevor du rufst,
daß ich dich finde,
	wenn du mich suchst,
daß ich verstehe,
	was du verschweigst,
und daß ich sehe,
	was du nicht zeigst,

			weil ich in deinen augen las —

				glaubst du mir das?

cascadis

die augen schließen
vertrauen
begreifen
gestehen
liebe erfahrend
einer musik erliegen
die aus uns allen klingt

puls
atmung
leben
das ist kunst
das ist liebe
dort liegt die hoffnung
sonst nirgendwo

die augen schließend
vertrauen
das schweigen nur brechend
um musik zu sein
durch klangräume führend
wortlos danken

was sind wir 
wenn nicht instrument
und eine welt nicht sinfonie?
hier liegt der glaube
sonst nirgendwo
bescheiden
mystisch
die augen schließend
vertrauen

wir

wenn stricke reißen
fallen leichen,
fallen grenzen
zwischen uns.

wenn schmerzen beißen
brennen körper,
brennen strecken
zwischen uns.

wenn stimmen schreien
laufen blicke,
laufen tränen
zwischen uns.

wenn briefe flehen
werden ketten
und zersprengen
alle strecken
zwischen uns.

[..diamant..]

ein streichelnder segen
samtwarmen wortes
immerneu und dagewesen
immerwider — nie zugegen.

frühsonne strahlt aus deiner sprache tat,
und du:
im wechsel irgendwo,
ungekannt,
herbstschöngolden,
seelenhonige träne,
die fließt mir nach
und bettet mich
in sich,
und tröstet bettler
königlich,
und scheinst und strahlst
und strahlst noch mehr
trotz irgendwo
und irgendwer.

und immer wiederholt gelesen,
betrete neuer schätze land,
besehe unerglaubter träume wesen,
belausche deines kusses klang.

vom finden und gefunden werden,
füllt brief für brief ein büchlein sich,
im regal bestaubt vergessen —
niemand müßte einsam sein...
hätten sie dich nur erkannt —
in jedem schläfst du:
diamant.

diese stelle...


an die dicken freunde,
die wir damals sicher waren,
an das glänzen deiner augen, wenn du weinst,

an die stunden vor den kerzen,
an die wochen an der see,
und an dich, weil du es ehrlich mit mir meinst.

	ans thebenblaue prinzenherz,
	deine lippen und dein haar,
	an deine haut, die morgens duftet,
	an zukunft, das was ist und war.

	an den trocknen roten wein, der,
	wenn man ihn nicht alleine trinkt
	und maßvoll zu genießen weiß,
	nahe noch viel näher bringt...

an gedrückte daumen,
deine ernsthafte kritik,
an die haltende hand, wenn ich erkrankte,

an die elterliche hilfe,
wenn ich tat wonach mir war
— an all das an dieser stelle 'danke.'

:: sanftes kiesellauschen ::

von lauten blumen

ich schenk' dir
eine laute blume.

du mir eine leise.

und wir bleiben still.

fliehkraft.

eintagsschwäne fliegen nur
	für vierundzwanzig stunden;
	zeit zu reden, zeit zu weinen,
	zeit zur paarung...
		zeit zu gehn.

eintagsschwäne sterben still
	und schreiben ihre memoiren
	leise zwischen innenschenkel,
	liebevoll geteilt.

eintagsschwäne trocknen
	ihren durst in kalten farben,
	einem wort und ohne reue,
	jetzt & träume selbst gestutzt.

eintagsschwäne sehnen sich,
	doch sehn sich nicht, vermonden,
	reißen fleisch in ihren leib
	und folgen ihrer last.

eintagsschwäne fliehen
	kurz vor morgendämmerung;
	zeit zu schweigen, zeit zu warten,
	zeit zu schlafen...
		zeit zu gehn.

lautlossagen (l'esclave de l'amour)

i. schweigegelübte

wenn ich dich jetzt bitten würde: 'laß uns über's schweigen sprechen', würdest du mich anlächeln und schweigen? nein. du verstehst mich nämlich nicht. du würdest eher fragen, was das soll, denn du wüßtest nichts zu sagen, und das ist etwas anderes als schweigen, wie ich es meine. du verstehst mich nicht. laß uns von etwas anderem schweigen.

ii. betritt sie den saal

i:

sie spricht nicht zuviel
und sie zu verstehn
ist wie einen traum zu deuten
 
sagt ganze welten
ohne worte
belebt sie den raum
 
wir verschwiegen uns die zeit
schätzten uns nicht glücklich
sondern waren es einfach
 
eichten die sinne
öffneten uns
und waren frei!

ii:

zogen uns — in uns — zurück
nicht jeder für sich
sondern einvernehmend
 
beschwiegen probleme
von unermeßlicher
unbedeutsamkeit
 
in einem leben
in dem man viel zu oft
verspricht...
 
bauen nicht auf leeren worten
um rein zu erstehen
in erfülltem schweigen
 
nicht wer nicht spricht 
ist stumm
da wer nichts sagt.
 
und so erstrahlt in uns
wie niemand sagen kann:
»ich habe nachgedacht...«

iii:

heilnachtsabend
ballerina
kerzen — rosen — wein
 
sagt eigne inseln
ohne bewegung
verläßt sie den raum,
 
ist nicht mehr ganz allein
 
und wer weiß?
 
wo wird sie sein?
wer wird sie sein?
wem wird sie sein?
 
bis zum nächsten mal.

die frage

wenn du mich fragst,
ob ich dich noch liebe,
dann ist mir,
als hätt ich schon 'nein' gesagt.
 
denn hätt ich den wunsch,
daß etwas zwischen uns bliebe,
so wüßtest du dies
und hättest nicht danach gefragt.

für immer.

sie setzt an:	»ich fürchte,
		 ich muß dich enttäuschen...«

er unterbricht: »schon wieder?«

	dann halten beide
	die klappe.

endlich.

:: frühling im opal ::

mißverständnis

als ich sagte,
daß ich mich
auf dich verlassen hatte,
und du mich enttäuscht,
anstatt das entsprechende
zu erwidern,
meinte ich nicht,
daß ich dich täuschte
und du mich verlassen sollst.

wo bist du?

'nevermind.'
('not at all!' — 'thank you.')

 
stahlherzen mit lautem puls
von uns getrieben
von uns geschlagen
eine ganze welt lang

davon hände verblast
und den kummer betäubt
wie unsere felle
die um hilfe schrien
wie deine augen
und dein lächeln.

dann zogen wir
in uns herum
und waren ganz voll pracht
und sterne waren deine worte
und hellten die nacht auf mit ihrem schwingen.

das nimmt uns niemand mehr!

all dieses strahlen inmitten all des schmutzes,
und dein bunter klang zu all dem lärm.

ich hielt dich, frei,
	— 'nur dieses mal...' ('only this time')
wann wird das nächste sein?
in einem jahr?

geb acht auf dich,
daß dir niemand dieses lächeln stiehlt,
wie er dich aus meiner nähe nahm,
denn dann wär regen
auf der ganzen welt
und das einzige wort,
das gesprochen werden kann,
ist:
		'bye.'

wovor hast du angst?

es ist ruhig dort,
manchmal etwas sperrig
und oftmals etwas klein.

da ist bewegung
und man fühlt sich!
doch viel zu oft sehr einsam — so ganz allein...
        
	da paßt du noch mit rein!
		bitte!
	da paßt du noch mit rein...

dann wird es warm dort,
eigentlich recht wohlig,
einigen zu heilsam:

man kann sich zeigen
und einige verwirrt das,
denn man war lange zeit allein — so völlig einsam...

	das alles kann vorbei sein!
		bitte!
	das alles kann vorbei sein...

		und wovor hast du angst?
		nicht mehr zu suchen?
		sondern zu finden,
		in uns?

	vielleicht ist alles, was allein geschieht,
	nur deine angst...

von dir

ich bin verliebt —
	was in diesem falle heißt,
	ich wart' auf dich, obwohl ich weiß,
	daß du denkst,
	daß wir nicht zusammen passen.
 
ich bin verliebt —
	was nicht meint, es täte gut,
	denn solang sich da nichts tut
	liebt man nicht wirklich
	und kann nicht gehen lassen.
 
ich bin verliebt —
	was nach 'frühling' klingt,
	erst rosig duftet — später stinkt,
	bitter schmeckt
	die scheinbar süße frucht.
 
ich bin verliebt —
	was heißt: ich war zu lang allein,
	an sich warst gar nicht du gemeint —
	hab' ich eigentlich
	nach mir in dir gesucht?
 
ich bin verliebt —
	was mir einst war wie neugeboren
	heute ist wie was verloren,
	von wo krieg ich's zurück
	und komme frei —
					von dir?

...als nicht geliebt zu haben...

alle kerzen sind kalt und tot
bis flammen ihnen leben eintreiben.
entflammt stellt eine kerze fest,
daß ihr nur zwei alternativen bleiben:
der tod durch die verbrennung,
um die bestimmung zu wahren,
oder kein entzünden
und nie gelebt zu haben.

das ende ist jedenfalls gleich —
	das feuer frißt sich tiefer
	und der tod ist nah.
weint ihr wachs — nichts bleibt zurück
außer tränen die uns sagen,
daß da früher mal eine kerze war.

erschreckt stell ich darauf fest:
daß gefühle auch mich verschwelen.
auch ich war kalt und tot
und hab die möglichkeit zu wählen...
auch in mir brennt dieses feuer:
gefühle reißen narben,
und ich weiß, daß das besser ist,
als nie gelebt zu haben.

am ende ist alles gleich —
	das leben frißt sich tiefer
	und der tod ist nah.
erinnerungen bleiben,
die dich nicht vergessen lassen,
daß da früher mal irgendwer war...

:: stirnbeete ::

in der stille

wir gehen zurück in die stille
und greifen nach licht.

doch wir fassen es nicht.

wir langen ins leere,
werden erdrückt
unter dieser schwere...

wir gehen zurück...

ex.

gott lieh mir seine augen
    — ich hab sie blindgesehn
gott lieh mir sein ohr
    — ich hab es taubgeschrien
gott lieh mir seinen mund
    — ich hab ihn um sein wort gebracht
gott lieh dir seine hörner
    — und ich glaub, du trägst sie noch...

oh gott — leih mir deine unschuld heute nacht
      ich weiß, ich verdien sie nicht —
      durch nacht zum licht...

gott lieh mir seine flügel
    — ich hab sie ausgerissen
gott lieh mir seine hand
    — ich hab sie weggeschmissen
gott lieh mir sein herz
    — ich hab es totgeschlagen
gott lieh dir seinen schoß
    — und ich glaub, du hast ihn verkauft...

oh gott — leih mir deine geduld heute nacht
      ich weiß, ich verdien sie nicht —
      durch nacht zum licht...

in seinem namen

dort sind die bilder eines gottes
sie setzten farben auf des höchsten thron
seht nicht direkt in ihre sonnen
euch zurückzuholen — sie warten schon

dort sind die worte eines gottes
er legte wert auf den gepflegten ton
hört nicht zu sehr drauf, was sie sagen
was sie im schilde führen — ihr wißt es schon!

	es ist nur inspiration
	vage skizzen und umrisse
	sucht den höchsten in euch selbst
	und nicht in bildern oder worten!

»während wir stehen fällt der schatten hin.
morgensonne entwirft die erste zeichnung.
blühen ist ein tödliches geschäft —
doch wir haben uns einverstanden erklärt:
wir leben...«

(mick)

wasser

wollt ihr euch etwas gutes tun...
dann geht durch die stadt
    und hört ihr zu.
geht in den wald
    und hört ihm zu.
durch felder, ans wasser,
    und hört zu.

dann hört euch selbst,
    wie die kiemen knirschen
    vom sand der herzwüsten,
    in denen wir uns suhlen
    und verbrennen.
 
und vielleicht
finden wir gemeinsam
hier heraus.
 
ich möchte wieder wasser sein,
    ein teil von mir gibt ständig nach.

:: herzkalk & herbstwasser ::

so gut wie neu.

und ich flüster in den wind,
und ich bitte noch mit blicken,
und ich sehn' es leis hinaus — keine antwort
			keine antwort...

und ich schreib es in zwei zeilen,
und ich bitte noch mit worten,
und ich schick's dir hinterher — keine antwort
		   	keine antwort...

und ich sprech es einmal deutlich,
und ich bitte noch mit takt,
und ich sag's dir offen zu — keine antwort
		   	keine antwort...

und ich schwall es seitenweise,
und ich bitte gerade noch,
und ich schmeiß dir's vor die füße — keine antwort
		   	keine antwort...

	und ich schrei es in die menge!
	und ich bitte längst nicht mehr!
	und ich zerreiß dich in der luft!
		— keine antwort,
		doch was macht das noch...

wie du bist

du sagtest:	'bleib noch!'
				und ich blieb.

nun sagst du:	'setz dich!'
				und zersetzt mich...
				und ich bleibe.

nun sagst du:	'fall nicht!'
				und befällst mich,
				und ich bleibe —
				wie du bist:

						allein.

morgentaube

»sei still —
    sonst weckst du noch den tag,
    es ist grade so schön dunkel...«
hat er noch gesagt,

doch es war schon zu spät,
die sonne gähnte rot
und räkelte sich himmelauf.

»wieso
    hast du das getan,
    bis jetzt war alles selbstverständlich...«
giftet sie ihn an,

doch er hört nicht mehr zu,
die lichtung taut erfrühend
und entschont der beiden einsamkeit.

darum! scHmERZ.

erfolgreich die stirn geboten.
ein schöner abend, warm, gemütlich, freundlich...
es waren die randbedingungen für einen tiefen fall.
es verbot sich — stirn gebot sich.
zum tanze lud die musik der gestirne,
doch meine kleidung war zu eng.
ich kam nicht aus mir heraus, litt.
eigentlich war ich froh,
doch das war angetrunken,
dann überdurstet und verfallen.
stirn geboten bekommen,
den spiegel beschimpft, nein: verachtet.
ein störender abend, warum, gewalttätig,
fürchterlich...
ein traum rief mich, ich fiel,
und mit mir die stirn.
sturm geboren, übertrunken, erneut gestorben.
andernorts. stirn geküsst — verboten.
entschlossen zu leiden, überleiden.
meine stirn ist befleckt,
ich weiß zuviel, um zu lächeln.
will vielleicht nicht mehr fühlen...
gesicht verloren...	verbrannt...
glaube verloren...	in liebe verrannt...
leide, falle tief.
eine krank, eine falsch; eine mehr, eine weniger...
ein schrecklicher abend; darum!

				wachgeküsst. 

pokrzywa

funkt in meiner seele
wie schwelbrand — sich vermehrt
und nun wie fegefeuer
auf mein herz sich ergießt

ein fühler wird in mir
tastet sich nach unten
und nun in meiner mitte
das fegefeuer besieht

    frißt sich durch
    durch und durch und
    durchaus nicht ohne schmerz

ein brand ganz weit weg
zu weit — kann nicht löschen
und nun der zweite
wie im regen erlischt

stapelt sich in mir
ist fast schon zu weit
und nun neues entsteht
doch auch die qual nicht vergißt

    frißt mich auf
    auf und auf und
    aufhören wird sie nie

»ich würd' jetzt gerne weinen —
 doch bitte dreht euch vorher um...«

    auf und auf und auf und auf und
    auf wiedersehn...

frauenkirche

wir wühlten uns durch traumruinen
im dunkel unserer herzen,
wir vernahmen das stöhnen der trümmer
und die blutenden mauerrisse,
die rissige klauenhaut wundgeschürft,
unsere zähne im gestein verkrampft,
schreiend und auf knien schabend,
bis aus dir hervorbrach:
'dort ist licht...'
und du ebenso in dich zerfielst
wie alles umgebende,
an uns zugrundegeträumt.
seitdem zerbrech ich meinen kopf
an deiner seite
auf den steinen,
um noch einmal etwas derart intensives zu verspüren.
doch er bleibt eins.
und ich bleib hier.

:: sargsteinschläge ::

die macht der geschichte.

frühe nacht
tag erwacht
sonne steigt
	und ein foetus schreit nach leben noch im fleisch

			grabe gräben
			der gewohnheit
			in den eintagsstraßenrand.

		weiterweltenweiter
		und vom zirkel zur ellipse
		spiralt die quadratur der kreise
		sich tief in uns hinauf...

hohezeit
weltenweit
mitterblühen
	und deine augen strahlen fruchtbar im zenith

		oderoberüberirdisch
		erdiges geschehen
		hexagraphe seelengene
		werden uns verstehen...

			herzhafen
			schifft die blutsee
			jordan überlebenlang.

später sarg
einweltgrab
mond geschichte
	und der wein wird immer älter schon im glas

er spricht:

»ich schenk dir diese worte,
sie sind alles was ich hab,
alles andre ist schon dein,
weil ich zuvor es dir schon gab:
 
all meine träume dichtest du,
und bin ich wach, dann die gedanken,
und mir war als ich dich traf,
als ob wir ewig uns schon kannten.
 
streichelst meine sehnsucht sanft,
wiegst alle zweifel in den schlaf,
mein herz hältst du in deinen armen,
wo es vertrauen leben darf.
 
    laß uns unsre leben teilen —
        geteiltes leben ist ewigkeit!
    laß uns unsre freiheit teilen —
        geteilte freiheit ist unendlichkeit!
 
ich schenk dir diese worte,
sie sind alles was ich hab.
leider kommen sie zu spät...«
und weinend sinkt er an ihr grab. 

der letzte versuch

die liebe kam zu dir und fragte:
»ist hier jemand, der ich bin?« —
»wer bist du,« deine tote stimme sagte,
»wo kommst du her, wo willst du hin?«
 
und die liebe, die lang schon im sterben lag,
fand so in dir ihr herzkaltes grab.
 
daraus kam der hass und sprach:
»kennst meine bessre hälfte nicht?
ich bin nur schatten — ohne licht kann ich nicht sein...«
 
und mit gesenktem haupt
ging auch er an dir ein.

hölle, hölle

hölle, hölle,
augen auf,
ohren auf,
schädel auf,
herz zerzaust,
geist zerzaust,
augen zu,
aus.

zeit-teiler (teil einst)

genauigkeit zersplitterte sich
und die scherben betten mein gemüt.
vogelausgelacht und wunschausgehaucht
hat verlassen mein morgen verblüht.

im garten sitzt es und sieht nach der zeit,
die wir einst säten, die nun verwildert,
die keiner gießt und die andere treten,
und sieht, was mickrig uns überbleibt.

wer nicht geht zur rechten zeit,
der vergeht bald ganz allein,
ich traue deinen augen nicht —
ein freund kannst du mir nicht mehr sein.
ich traue meinem herzen nicht,
denn es weint, da du dich löst.

geh nur... ich wünsche dir mehr glück
als du mir gebracht hast.
(was nicht zu schwer sein sollte...)

zeit-teiler (teil zeit)

schalenverstrickend
schamerstickt
verstand geschmälert
unverglückt
berg enttälert
unerblickt zuvor —
nun nimmer mehr!

halb geschmälert
voll verbrannt
berg berannt
unbestiegen.

pfade verunratet,
ausladend dreinblickend,
bewußt,
welch naturschauspiel erwartend
darunter erstickt,
in scham und schalen.

luft  wird ton,
herz wütet schon,
ein kurzes licht — dann finsternis
	um mich.

promethisiert starrend,
	berge versetzend
	wie sisyphos.

berge enttälernd
	wie der tod...

frohsinnlos

bin vorurteilt:
lebenslänglich traumhaft.
bei trocken brot
und spielen.
»mit lebensmitten spielt man nicht!«
ein sonderfall:
geborener verlierer,
der nur das hilflos zieht
— die ewige niete —
»komm, iß auf,
schluck' es
und sei froh!«
ich höre,
gebe alles
und erhalte
das sinnlos.

und erkalte.

wüste

taube wüste,
taube wüste,
nur die sonne schreit mich an.

trocknes land,
trocknes land,
nur die wolken lachen aus.

heiße dürre,
heiße dürre,
nur kadaver überstehen.

taube wüste,
taube wüste,
alles tot.

:: klagegestein ::

schmutzengel

bei genauerer betrachtung
ist der sprung gar nicht so weit
vom lieblosen geschlechtsakt
zu einem wort wie
			»ein-sam-keit.«

blumendiebin

meine kleinen hände hungern
nach greifbarem glück,
doch kurz bevor sie fassen können
zieht es sich zurück
und schwindet.

meine totenaugen dursten
nach strahlendem licht,
doch kurz bevor sie sehen können
öffnen sie sich nicht
und man erblindet.

meine lippen sehnen sich
nach nur einem kuss.
doch kurz bevor wir uns ergeben
meinst du,
daß ich standhaft bleiben muß,
während du dich einem andern gibst,
der niemals deine schätze findet.

nichts in mir blieb unberührt.
du hast mich ungewollt verführt,
an einer kleinen hand
von mir,
und während diese nun daran verhungert,
wärmen deine sich in anderen.

deute meine träume.

blattaria

ich wünsche mir,
ich fühlte dich nicht mehr,
und gegen die kälte
würde ich mich warm anziehen
an jemandem,
an jemanden.

»er hat sich geändert.«
du dich auch.
du mich auch.

und wenn man nicht gestorben ist,
muß man wohl noch immer sein —
ein lückenfüller,
platzhalter,
running-gag als begleiter
auf dem weg zu deinen gefühlen.

schaben überleben.

schütze (23.11.—21.12.)

ich halt meine schnautze
damit du seelenruhig
auf deine eigene fallen kannst
 
ich mag dir nicht mehr folgen
wenn du nicht weißt
wohin du willst und ich schon seh
daß man da nicht glücklich werden kann.
 
	du erwartest, daß ich dich versteh
	doch erklärn willst du dich nicht.
	ich reich dir eine hand nach unten
	und helfe deinem spott ans licht.
 
jetzt trockne ich diese tage
und häng sie in ein fenster
wo sie verblassen
aber immer
ihre schatten in mein herz
schmeißen
wie pappsoldatenkrieg
und plastikrosenduft
um mein land
und meine nase
die dich manchmal
nicht mehr riechen kann.
wenn die zeit kommt
und das jahr geht
werden wir ja sehen
was geblieben ist.

ein großes schweigen.

elend.

standst kopfgesenkt verloren umher
trauerblickend — fehlt dir was?
kam kniezitternd hoffend näher
mehrwortwollend — 'frag nur!'

wer bin ich nur? das weißt du nicht...
woher auch?
du gabst mir deine schwere
und tanzt mit meinem glück davon...

    es ist selten gold was glänzt — du am meisten.

durch dich machte ich bekanntschaft 
mit einem toten freund — mir — 
der sich jetzt wieder um mich sorgt.
jede neue dieser bekanntschaften
macht einen einsamer — du am meisten.

    es ist selten gold was glänzt — du am meisten.

lachnummer

keine zeit für große worte,
keine zeit mehr für uns zwei
es bleiben nur erinnerungen
an dinge, die nie warn...
    an sinnlose rosen
    und leeres warten
    an kein »tut mir leid« —
    »ich hab's dir vorher gesagt...«
nochmal vierzehn zigaretten
und du bist überall gleich
das ist in jeder hinsicht ungesund
doch was kann ich dafür?
oder dagagen —
da sind wir nicht so...
aber fragen meinerseits
sind dir ja unterstellt
 
so nimm dir eine freiheit
und laß mich mit ihr allein
    das ist wahre freundschaft
    und macht so richtig glücklich
im psychoanalysewahn
wagte ich zu übersehen
daß gebrochene versprechen
ausgelebte rücksicht sind...
    leck du nur deine kratzer
    und red mit wem du kannst —
die frage bleibt:
wer hat hier wohl wen enttäuscht?
        es ist leichter dich zu lieben
        wenn du nicht neben mir stehst
        und ich die augen schließen muß
        um dich zu sehn...
ich zähl jetzt nur noch rückwärts,
weil vorher immer alles besser war...

kulturfabrik

hand auf's herz —
	ein griff ins leere
ein volles haus
	als kunstkonzept
kulturfabrik,
	ein schöner name,
bände sprechend —
	fließband.

und am ende
	langer zeit gewartet
unterm strich zu lesen steht:
	entartet.

danke.

kleine kunst
	wird nicht gefährlich
niemand weiß
	was keiner sagt.
wer nicht fragt
	wird nicht vertröstet
wer es wagt
	wird eingesargt.

durchschnitt schneidet
	tiefe narben
		lieder fallen
		in der schlacht
		der krieg macht alle meinungsfrei
	die masse zahlt und lacht
liebe künstler, gebt fein acht —
	ich hab euch etwas umgebracht.

kultur-fabrik; weißer fahnen leichentuch.

mantis idiota

alle dachten, er sei künstler,
doch es war einfach langeweile...

alle dachten, daß er dichtet,
dabei hat er nur geflucht.

alle dachten, er wär wichtig,
und ihm selbst war alles gleich.

alle dachten, daß er singt,
dabei hat er nur geschrien.

	keiner hat ihm zugehört,
	jeder ihn gelobt,
	niemand ihn verstanden —
	aber alle ihn zitiert.

:: brachland ebnen. ::

[..sie lieben sich in briefen..]

[..denk mal:
	die wollen die rechtschreibung neu regeln.

was ein witz! als wenn, wer wirklich  s c h r e i b t,
	je nach irgendwelchen gesetzen fragte.

wir haben gut lachen, wir zwei —
	die verstehen uns auch mit ihrem duden nicht.

spracharmut greift hier überall tiefer als nichts zu essen.

die wollen wohl die dornenlose rose neu erfinden,
	und die fand ich schon albern...
	als ob man nicht einfach besser aufpassen könnte,
		auf seine finger.

	und jetzt erst die sprache nochmal »machen«.

paß auf:
	und morgen wollen sie,
	man müsse das salz aus den kochbüchern streichen —
	weil kaum noch jemand richtig würzen kann.

		wohl bekomm's.

die machen uns spaß, was?

		laß uns mal zusammen kochen..]

[..( — folgen sie uns... — )..]