ein fast unscheinbar zweideutiger titel, denn: es geht um eine bank. anfang dezember -- also vor einem ganzen monat -- versuchte ich dem support eines online-banking-portals in einer e-mail verständlich zu machen, daß nicht mein browser zu alt für ihr portal sei, sondern ihre browserweiche: die seite sei optimiert für den internet explorer ab 5.0 und netscape ab 6.0, sagt ein aufpoppendes fenster. nostalgie.
der warntext empfiehlt mir dann, doch bitte eine der angepriesenen browserversionen zu installieren. obgleich sie aus den jahren 1999 bzw. 2000 stammen. wie bereits
erwähnt spielt der netscape-browser ja überdies schon
seit jahren gar keine rolle mehr; das warnfenster springt allerdings auch auf, wenn man die seite mit einem topaktuellen
netscape-erben besucht.
was möchte mir also das warnfenster des portals mitteilen? vielleicht: "ups, ihren browser gab es ja noch gar nicht, als ich auf die welt kam. diese seiten sind nämlich optimiert für software aus dem letzten jahrtausend; also wagen sie doch bitte eine kleine reise in die vergangenheit, das ist trotzdem völlig sicher"?
vielleicht zieht man hier seltsame schlüsse aus der tatsache, daß ungeschütztes surfen unter windows 98 zur zeit schon wieder nahezu ungefährlich erscheint (gängige schädlings-programmierer/innen arbeiten eben auch nur gegen die aktuellsten systeme). anders gefragt: betrachtet man diese browser vielleicht als so abgehangen, daß sie gerade reif sind für
wirklich sicheres online-banking? muß ich die it-archäologin meines vertrauens bitten, mir für die hebung deartiger techno-relikte geeignete ausgrabungsstätten zu verraten?
das ganze ist zudem philosophisch hochinteressant: liegt die zukunft des online-bankings in produkten überkommen geglaubter vergangenheit? erleben wir bald die rückkehr von
mosaic? und dann --
akkustik-koppler,
datasette, rauchzeichen?
auf meine bitte hin, diese sicherheitspolitische altlast mal auf einen angemessenen stand zu bringen, erhielt ich übrigens schon ein paar tage später die mitteilung, mein schreiben sei nun bei der zuständigen fachabteilung gelandet. wenn ich weitere fragen hätte, gebe es die telefonische hotline (9ct die minute). und ich denk: na klar -- ich bezahle doch gerne dafür, euch einen gestrig wirkenden auftritt zu ersparen *mit-zeigefinger-unteres-augenlid-runterzieh*.
support hat hier eben seinen preis. ihr "firmenfinanzportal" verlangt schon nach netscape 7, der ist immerhin von 2002. und ein support-anruf kostet dafür nur 4,6ct die minute. wie konnte ich eigentlich so blöd sein, ihnen von mir aus völlig frei einen so hilfreichen hinweis zuzuschicken? wie gut, er verpuffte wirkungslos. erfreuen wir uns einfach alle ungestört an homepages im museum-modus und zeitfreien warnungen aus den archiven der kommunikationstechnik.
wer weiß, wie lange sie noch sind.
. soundtrack: my dying bride :: the wreckage of my flesh [songs of darkness, words of light] .
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