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:: konzert-tagebuch ::

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2.9.2004

hinkelstein, marburg

allein.

was lange währt... nach vierjähriger bühnenabstinenz kehren wir an diesem donnertsag abend in die öffentlichkeit zurück. dieser auftritt hat sich recht spontan ergeben, jost (the host) sagte auf anfrage sofort zu. es ist sowohl das erste konzert nach dem ausstieg von alex, als auch das erste konzert gemeinsam mit christiane. wir waren dementsprechend nervös, es fühlte sich fast wie vor dem allerersten auftritt an. und es sollte ein großartiger abend werden. der einladung, das konzert mitzuschneiden und den mitschnitt zu verbreiten, folgten gleich zwei minidisc-besitzer. leider sind beide aufnahmen fast bis zur unkenntlichkeit übersteuert: offensichtlich waren wir nicht gerade leise. und das, obwohl eine unserer boxen nicht zur mitarbeit zu bewegen war. schade schade, wir hätten euch wirklich gerne den einen oder anderen akustischen eindruck vermittelt...

marburg ist eine studi-stadt, dementsprechend hoch ist hier die kneipendichte. das hinkelstein ist eine dieser kneipen, und eine besonder stilvolle dazu, denn es befindet sich unmittelbar am marktplatz in der märchenhaften oberstadt, unter tage in einem alten gewölbekeller. äußerst stimmige atmosphäre für ein /'angstalt/-konzert.
während wir aufbauen treffen auch dennis und chris am ort des geschehens ein, die sich dem leiblichen wohl der gäste verschrieben haben. dennis bemerkt, er habe noch nie eine band im hinkelstein gesehen, die derart viel equipment mitschleppt — und das mit nur vier leuten. chris wird dagegen hinterher feststellen, daß sie noch nie eine band im hinkelstein erlebte, die so großzügig mit der lautstärke ist. sorry, das war kein plan.
wir hatten nämlich, wie bereits erwähnt, einige probleme mit einer der boxen, die v.a. den gesang transportieren sollte, was allgemein deutlich von nachteil für das gesamtwerk ist. das verzögerte den aufbau etwas, sodaß wir leider keine zeit mehr für einen richtigen soundcheck hatten und sich versehentlich eine klangwand bildete. aber was solls, wir sind nur einmal jung. außerdem haut norman inzwischen bisweilen derart in die felle, das wir gar nicht anders können...

kurz nach neun lassen wir die selbstmitgebrachte support-cd auslaufen und blenden über in das warme, tiefe läuten von "klirr", mit dem dieser konzertabend beginnen soll. wir lassen es auch erst mal ein paar minuten klirren, um uns und den gästen im gemütlich gefüllten hinkelstein gelegenheit zum sammeln zu geben. es mit den "plainsong"-windspielen von the cure zu vergleichen wäre wohl etwas vermessen, but you get the idea. gemütlich gefüllt heißt hier, daß alle gerade noch einen sitzplatz bekommen. ursprünglich wollte jost die sitzgelegenheiten aus dem raum schaffen, aber uns gefiel die vorstellung, mal vor sitzendem publikum zu spielen (allerdings beschwerte sich m.'s mitbewohnerin caro hinterher über mangelnde bewegungsfreiheit, vielleicht dürft ihr das nächste mal wieder stehen).
"klirr" geht aber auch ganz gut im sitzen und stellt sicherlich unmißverständlich klar, daß wir nicht kamen, um eine batterie standard-rock in den raum zu stellen. auf dem fuße folgen "musa medusa" und "in seinem namen" — beides stücke, die zuvor alex sang. an die zeit mit ihm erinnert das letzte stück, an dem wir bis zu seinem ausstieg mit ihm arbeiteten: "kolerika". alex arbeitete damals auch an gesang zu diesem stück, wir spielen es inzwischen jedoch rein instrumental, was uns auch immer ein wenig fühlen läßt, daß trotz allem jemand fehlt.

völlig umarrangiert geben sich "er spricht:" und "sargsteinschlag (version)"; sie sind zwar unverkennbar, haben aber nur noch wenig mit den früheren interpretationen gemeinsam ("sargsteinschlag" hat nicht nur einen weiteren neuen text, sondern auch extrem bereichernde geigen von christiane bekommen). nach einer punktgenauen anklage gegen die träge reaktionslosigkeit unserer zeit ("so gut wie neu") läßt das aufwühlende "k.rebs" die brust wieder beengter fühlen und rollt dem finale den roten teppich aus: "für eine hand voll zucker" ist gewalt. in gut zehn minuten walzt es den glauben an das gute zwischen menschen nieder. hier setzen wir den mikros der minidisc-recordern wohl besonders arg zu — auf den aufnahmen ist über weite strecken nur ein monotones schnarrbrummen identifizierbar. es handelt sich dabei ohne jeden zweifel um eines der stücke, bei denen wir mehr von der musik gespielt werden als umgekehrt. bedacht kanalisierter lärm kann so befreiend sein.

das sollte es sein. aber unsere gäste dachten anders und überredeten uns zu einer zugabe (nach einer kleinen pause, denn "zucker" schlaucht...). wir entschieden uns für zwei ruhigere intrumentalstücke, um den abend ausklingen zu lassen. stefan und m. spielen zunächst das bisher nur auf der "[ha1b:2ehn]" veröffentlichte "laetitia", bevor wir uns mit "herbstwasser" alle gemeinsam empfehlen.

tja, aber die gäste wollen uns einfach nicht gehen lassen. zu dumm, das mit den wurzeln. also lassen wir uns davon überzeugen, nach einem semioptimalen versuch der erinnerung an ein stück, an dem wir derzeit probten (ein rohbau ohne titel), auf expliziten publikumswunsch noch einmal "in seinem namen" und sogar ein erneut brachiales "für eine hand voll zucker" darzubieten. danach geht aber definitiv nichts mehr. norman klagt auch über's hüftei, welches ihn nach "zucker" plagt. wir werden halt auch nicht jünger.

dann wird es chillig; wir sitzen noch ein paar stunden mit unseren gästen zusammen, bekannten und neuen gesichtern, und tauschen eindrücke aus. was wollen wir mehr? es war wundervoll.

als wir am nächsten tag unser equipment wieder einräumen, beglücktwünscht uns auch hinkelstein-chef jost noch einmal explizit für den gelungenen abend. schließlich bietet er uns an, im sommer sofort wiederzukommen, dann auf jeden fall an einem wochenend-termin, damit auch diejenigen von weiter weg anreisen können, die sich diesmal über den termin mitten in der woche beschwerten.

aber gerne doch. wir kommen wieder ;-)